TetronForumLogo
Digitalfunkkongress 2011

Der zweitägige Digitalfunkkongress in Tulln hatte sich zum Ziel gesetzt, die Teilnehmer der verschiedensten Organisationen aus ganz Österreich von der Sinnhaftigkeit und dem Nutzen der Einführung des Digitalnetzes in allen Ablaufschritten in sehr übersichtlich aufgebauten und gut verständlichen Referaten zu informieren und letztlich auch davon zu überzeugen. Ziel war auch, die Erfahrungen der Bundesländer Tirol, Niederösterreich, Wien und deren Einsatzorganisationen an die anderen Länder weiterzugeben und damit auch Unterstützung zu leisten.

Die Veranstaltung wird von Werner Fetz vom ORF Niederösterreich moderiert. Er begleitet die Teilschritte zur Errichtung eines „Digitalfunkhauses" in anschaulicher Weise und übernimmt Zusammenfassungen der Vorträge sowie die Vorstellungen der Referenten.

Schon in der Begrüßung wird ersichtlich, dass es auf der politischen Ebene großes Interesse daran gibt, den „Digitalfunk zu einem funktionierenden österreichweiten System" auszubauen, wie DI Stefan Kreuzer, Abteilungsleiter-Stv. der Abteilung Feuerwehr und Zivilschutz, Land NÖ (stellvertretend für den zuständigen Landesrat, Dr. Stephan Pernkopf) und General MMag. Konrad Kogler, Gruppenleiter in der Generaldirektion für öffentliche Sicherheit (in Vertretung der Frau Innenminister, Dr. Maria Fekter) in der Begrüßung formulieren. „Im Jahr 2011, dem Jahr der Freiwilligenarbeit müssen alle Schritte unternommen werden, um die Arbeit der Freiwilligen, die für Menschen in Not im Einsatz stehen, eine entsprechende Ausrüstung zur Verfügung zu stellen", so Kogler.

Wolfgang Müller, BM.I berichtet in seinen Ausführungen von den  Erfahrungen der letzten Jahre, die zeigen, dass immer wieder neue Herausforderungen dazukommen, die ein rasches und koordiniertes Vorgehen über die Grenzen von Organisationen und Bundesländern, ja sogar Ländern und Kontinenten hinaus dringend erfordern. Die neue Strategie heißt" innen sicher", was bedeutet, dass es Systeme braucht, die die Kommunikation und Kooperation der handelnden Personen und Institutionen erleichtern und optimieren.

Ereignisse wie die Fußball-Europameisterschaft in Wien, Salzburg und Kärnten haben gezeigt, wie wichtig eine entsprechende Infrastruktur ist. Auch Tirol mit seinen bereits flächendeckenden Erfahrungen konnte damit zeigen, dass die bundeslandübergreifende Nutzung von Korridorstandorten (in Salzburg z.B. Lofer) Vorteile für das eigene Bundesland bringt. In Kärnten (Klagenfurt) wird der Digitalfunk ebenfalls seit der Fußball-EM von der Polizei genutzt. Die Bundesländer Tirol, NÖ und Wien, sind bereits ausgebaut, die Steiermark ist im Ausbau. Das Burgenland führt Gespräche auf politischer Ebene, die Bundesländer Oberösterreich und Vorarlberg  sollen folgen. Es gibt somit aus allen Bundesländern positive Signale zur Teilnahme am Digitalfunkprojekt!

DI Harald Ludwig, Vorsitzender des TETRA Technical Forums der TETRA Association, macht in seinen Ausführungen einen Blick über die Grenzen hinaus. Die internationalen Erfahrungen zeigen, dass TETRA in Europa und weltweit in insgesamt mehr als 100 Ländern genutzt wird. Ein Drittel davon für die öffentliche Sicherheit, ein Drittel für das Transportwesen wie Flughafen, U-Bahn etc. und das letzte Drittel wird von anderen Institutionen wie Energieversorgern u.a.m. genutzt. Der größte wachsende Markt ist derzeit, wie in vielen anderen Bereichen auch, China.

Allein bei den Olympischen Spielen in Peking wurden bei der Eröffnung 86 000 Endgeräte eingesetzt und 1,6 Millionen Rufe abgesetzt.

In seinem Referat über die TETRA Grundlagen legt Harald Pichler, Leiter der Funknetzplanung TETRON sehr umfassend und, für alle gut verständlich, die einzelnen Planungs- und Arbeitsschritte dar. Es wird ersichtlich, dass die Nutzung dieses neuen digitalen Funksystems für alle Beteiligten Vorteile bringt. Sie sorgt für eine störungsfreie Kommunikation, hohe Sprachqualität, ermöglicht Einzel- und Gruppengespräche, ermöglicht  einen Notruf mit Standortbestimmung, sorgt für Datenkommunikation und garantiert Abhörsicherheit.

Die Darstellung der Vielschichtigkeit des Systems lässt alle Zuhörer und Zuhörerinnen verstehen, dass die Implementierung eines solchen ein langer Prozess ist, der nur mit entsprechendem Verhandlungsgeschick, der notwendigen Ausdauer und der Bereitschaft aller, Veränderungen auch als eine Chance zu sehen, gelingen kann.

Der erste Schritt ist das Finden geeigneter Standorte und das Erlangen der entsprechenden Bewilligungen, das in vielen Fällen dem Bohren harter Bretter gleichkommt und viel Aufklärungsarbeit und Verhandlungsgeschick mit Gemeinden und Anrainern erfordert.

Die nächsten Referatsblöcke von Ing. Andreas Leeb, Roll Out Manager TETRON, HR DI Herbert Biasi, Landesbaudirektor Tirol und Ing. Johann Dantinger, Amt der NÖ Landesregierung, Abt. Feuerwehr und Zivilschutz zeigt die Ablaufschritte, die präzise eingehalten werden müssen, um letztlich einen Standort auch in Betrieb nehmen zu können. Bedeutend ist der erste Schritt der Standortakquise, bei der es darum geht, unter Mitsprache der Bundesländer und der Zuständigen vor Ort, die Bewilligung für einen Standort zu bekommen und die notwendigen bautechnischen Erforderlichkeiten wie Fundament, Stromzufuhr etc. zu überlegen.

Für einen Standorterrichtungsprozess wird ungefähr ein Zeitraum von einem Jahr veranschlagt, von der Funknetzplanung in Hall/Tirol können wöchentlich rund

5 Standorte bearbeitet werden. Die Standorte werden, geregelt durch das Bundesländerbeistellungsmodell, dann durch das Land errichtet. Die Errichtung der Standorte erfolgt nach den Richtlinien im Aufbauhandbuch, der „Bibel" für Bauherren und Ausführende. „Der Standortbau selbst stellt für die Länder  keine zu hohe Belastung dar und bringt eine nachhaltige Investition in die Sicherheit der eigenen Bevölkerung", so Biasi.

Die Ausführungen über die Inbetriebnahme machen deutlich, wie viele kleine Schritte dabei erforderlich sind, die umso besser gelingen, je intensiver und konstruktiver die einzelnen Standorte vor allem bezirksweise kooperieren. Es kann erst dann ein entsprechender Probebetrieb eingerichtet werden, wenn es möglichst viele Standorte in einem Bezirk gibt. Wenn die ausreichende Grundversorgung in einem Bezirk gegeben ist, kann der Echtbetrieb, mit dem Ausbauplan der Polizei in Abstimmung, vorbereitet werden. Bei der funktechnischen Optimierung werden die  einzelnen Nachbarstandorte zu einem Funknetz zusammengefasst und der Istzustand in einem Optimierungsprotokoll dokumentiert. Erst wenn der störungsfreie Betrieb gesichert ist, kommt es zur Übernahme in den Betreuungsbereich OST in der Meidlinger Kaserne und die Betriebsprozesse können aktiviert werden, es erfolgt die offizielle Freigabe an die Nutzer.

Ing. Markus Poys, der Leiter der Zertifizierungsstelle TETRON referiert die nächste große Herausforderung, die Inbetriebnahme des technischen Equipments. Jede Technik, die in das Netz implementiert wird, muss zertifiziert werden, um den Ansprüchen an ein Hochsicherheitsnetz zu genügen. Diese Zertifizierung muss bundeslandspezifisch durchgeführt werden, weil die Bedingungen allein geografisch doch sehr unterschiedlich sein können. Entscheidend ist eine entsprechende Kompatibilität von Funkgeräten und dem System, daher müssen auch Endgeräte und Schnittstellen zertifiziert werden.

Landesrettungsrat Ing. Harry Oberlerchner, BSc., Referatsleiter Rotes Kreuz NÖ stellt überzeugend mit seiner Praxiserfahrung dar, wie wichtig bei der Geräteauswahl die einfache Bedienung unter Einsatzbedingungen, eine einheitliche Bedienung, eine einfache, Selbsterlernbarkeit der Funktionen, eine entsprechende Akkulaufzeit, Menüführung, Bedienerfreundlichkeit, Ersatzteil- und Zubehörverfügbarkeit sind, einfach Anforderungen, die auch im Privatbereich an Kommunikationsmedien gestellt werden.

Für das Rote Kreuz in NÖ gilt als Leitsatz bei der Auswahl der Geräte: "Menschen müssen in schwierigen Situationen einfach und sicher kommunizieren können!"

Der nächste Arbeitsschritt ist das Verbinden, das so genannte „Connecten" der Geräte im Netz wird von OBI Ing. Ewald Litschauer, BSc vom Landesfeuerwehrkommando NÖ, Sachbearbeiter Nachrichtendienst, erläutert. Wie auf einer Programmierstraße müssen die einzelnen Schritte gesetzt werden, abhängig davon, ob es sich um Einzelrufnummern, Sprechgruppen, um Netzkonfigurationen oder Benutzerkonfigurationen handelt. Selbstverständlich müssen diese Daten nach der Endprogrammierung verschlüsselt werden, die Schlüsselfreischaltung erfolgt dann durch das BM.I..

Christian Rod von der MA70 Wiener Berufsrettung berichtet in seinen Ausführungen von den Erfahrungen in  10 Jahren Leitstellenarbeit von mehr als 610 000 Telefonaten am Notruf und rund 168 000 Einsätzen durch Fahrzeuge der MA70 jährlich. Ein höherer Grad der Automatisierung des Datensystems  führt zu einem Sinken der Anrufe und damit zu rascherer Hilfe und geringerer Fehleranfälligkeit. „Seit Ende des Jahres 2006 kam es zu keiner Störung mehr, der DF BOS stellt die stabilste technische Anwendung dar, die bei der Wiener Rettung in 130 Jahren im Einsatz war", so Rod.

Als wichtigen Punkt streicht der Referent heraus, dass die entsprechende Schulung und Betreuung des Personals, das in dem System arbeitet, besonders wichtig ist und laufend gemacht werden muss!

Über die Bedeutung eines Rufnummernplans, berichtet AR Josef Kneisl, der Koordinator für den Digitalfunk der Stadt Wien. Speziell die Sprechgruppen, die eine institutionen- und länderübergreifende Kommunikation ermöglichen, brauchen einen logisch nachvollziehbaren Rufnummernplan, der zu keiner Überbelastung und gegenseitigen Blockierung des Systems führt. Der Rufnummernplan, wie er vom Koordinator des Digitalfunks der Stadt Wien dargestellt wurde, ist ein wichtiger Baustein dafür. Jede Rufnummer besteht aus 8 Stellen, die sich aus den verschiedenen Kennzahlen von Bundesland, Organisationen etc. zusammensetzt.

Nachdem die Handelnden in dem System Menschen sind, braucht es auch eine Sprechfunkordnung, die von allen eingehalten wird, da viele Organisationen im Netz sind, mit unterschiedlichen Strukturen, auch unterschiedlichen Leitstellenstrukturen und entsprechend unterschiedlichen Organisationskulturen. Entscheidend für alle ist, dass eine Information an mehrere Personen in unterschiedlichen Institutionen gleichzeitig weitergegeben werden kann, was in vielen Fällen zur Rettung von Menschenleben und zum Verhindern von Unglück führen kann! Es wird ersichtlich, dass eine solche vernetzte Arbeitsweise eine entsprechende Sprechfunkordnung braucht. DI Stefan Kreuzer vom Amt der NÖ. Landesregierung, Abteilung Feuerwehr und Zivilschutz stellt ein eigenes Flugblatt vor, das Niederösterreich dafür erstellt hat mit dem Leitsatz:

„Die kollegiale Zusammenarbeit in entspannter Atmosphäre ist wichtig, soll nicht vom Land vorgegeben sein, alle Beteiligten sollen eingebunden sein und haben daher auch einen Beitrag zur Problemlösung beigetragen!"

Ein kurzer Film, der noch einmal die Entwicklung des Digitalfunks zeigt, bildet den  entspannten Abschluss eines informationsreichen ersten Kongresstages.

Am zweiten Kongresstag  stehen Schwerpunktdiskussionen zu den einzelnen Themen am Programm. In den kleineren Arbeitsgruppen kann ausführlich diskutiert und offene Fragen beantwortet werden. Die 17 Aussteller in der Lobby der Feuerwehrschule Tulln ermöglichen noch viele Fachgespräche mit den unterschiedlichen Herstellern und machen für die Teilnehmer der verschiedenen Organisationen einen Einblick in und Versuche an Testgeräten möglich.

Den Abschluss des Digitalfunkkongresses bildet ein Ausblick von Michael Dunkel, BM.I. in die weiteren Planungsüberlegungen und Arbeitsschritte, die durch die wachsende Komplexität notwendig werden. In Zukunft wird auch an eine Sprechfunkordnung auf Bundesebene gedacht, um die Kommunikation insgesamt zu optimieren. Es wird eine Betriebsplattform errichtet, in der die unterschiedlichen Arbeitsgruppen ihr Rollenverständnis einbringen, mit dem Ziel: „Wir gestalten gemeinsam unser Einsatzmittel TETRON Digitalfunk".